Eine Seilbahn im MV – was für eine verrückte Idee! Oder doch nicht?

von Stefan Hübner

Fotomontage: Symbolbild

Seit Jahrzehnten fehlt es an einer effektiven und umweltfreundlichen Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln vom Märkischen Zentrum an die U- bzw. S-Bahn. Immer wieder wurde innerhalb der letzten 40 Jahre der Bau einer U-Bahn versprochen. Dies wurde jedoch bis zum heutigen Tag aus Kostengründen nicht umgesetzt. Somit sind ca. 40.000 Einwohner im MV weiterhin auf Busse und PKWs angewiesen.

Die AfD Reinickendorf gehörte schon zu den Befürwortern einer U-Bahn Verlängerung ins Märkische Viertel, als im Bezirk lediglich noch die CDU dafür eintrat. Doch bekanntlich zieht sich die Projektierung (wie so oft in Berlin) hin, eine Finanzierung steht nicht, eine notwendige Entlastung des Wilhelmsruher Damms (durch die Verlängerung der Heinz-Brandt-Straße) ist vor nicht langer Zeit in der BVV durch die Mehrheit abgelehnt worden.

Die AfD-Fraktion hatte deshalb eine Empfehlung in die Bezirksverordnetenversammlung eingebracht (DRS 1905/XX), um den Bau einer Seilbahn als Verkehrsverbindung zwischen dem Märkischen Zentrum und dem S+U-Bahnhof Wittenau anzuregen.

Nun kennen die meisten eine Seilbahn von einer Urlaubsreise in die Berge und freuen sich über die Möglichkeit, mit ihrem Wandergepäck (im Sommer) oder ihren Skier (im Winter) problemlos und schnell auf einen Berg befördert zu werden. Aber eine Seilbahn als Verkehrsmittel? Im öffentlichen Personennahverkehr? In einer Großstadt wie Berlin? Als Alternative zur U-Bahn oder Tram?

Zugegeben: Auf den ersten Blick erscheint das abwegig. Deshalb betrachten wir mal die Faktenlage:

Kapazität

Moderne Seilbahnen transportieren bis zu 10.000 Passagiere stündlich, wofür sonst 2.000 PKWs oder 100 Busse eingesetzt werden müssen. Sie sind technisch umfangreich erprobt, umweltfreundlich und leise im Betrieb.

Kosten und Flächenbedarf

Ein Seilbahn-Streckenkilometer kostet etwa 10-15 Millionen Euro, ist damit nicht mal halb so teuer wie der Bau eines entsprechenden Teilstücks einer Straßenbahn und kostet lediglich einen Bruchteil derselben Strecke eines U-Bahn-Kilometers.

Der Flächenbedarf lediglich für die Endbahnhöfe, Zwischenstationen und die Stützen ist gering; es müssen dafür keine vorhandenen Straßen verengt werden, wie das bei Straßenbahnen der Fall wäre. Seilbahn-Projekte lassen sich auch in wuchernden und verwinkelten städtischen Ballungsgebieten problemlos realisieren.

Referenzen

In Berlin gibt es bereits eine Seilbahn: Die Seilbahn „Gärten der Welt – Berlin“, die zur Internationalen Gartenausstellung 2017 errichtet und während der Dauer der Ausstellung IGA-Seilbahn genannt wurde. Auch in Koblenz wurde 2011 im Rahmen der Bundesgartenschau eine Seilbahn eröffnet. Daneben haben sich in Deutschland die Städte Bochum, Bonn, Hamburg, Köln, Marburg, München, Ulm und Wuppertal mit dem Bau einer Seilbahnverbindung für den ÖPNV beschäftigt.

Im Gegensatz zu Deutschland, wo Seilbahnen entweder nur als Touristenattraktion eingesetzt werden oder aber über eine Planungsstudie bisher nicht realisiert wurden, haben Seilbahnen weltweit einen ganz anderen Stellenwert und ergänzen seit Jahren das ÖPNV-Netz (London, New York, Portland, sowie in einigen Ländern Südamerikas).

Gesetzeslage

Berlin besitzt bereits ein Seilbahngesetz, so dass das Genehmigungsverfahren zügig angegangen werden könnte.

P.S.:

Eine Seilbahn als Verbindung zwischen dem Märkischen Viertel und dem U- und S-Bahnhof Wittenau wäre eine innovative, umweltfreundliche und kostengünstige Lösung, würde den Verkehr auf dem Wilhelmsruher Damm enorm entlasten und wäre zudem eine Attraktion in Reinickendorf.

Wenn Sie nun noch wissen möchten, was eigentlich aus der Empfehlung der AfD-Fraktion geworden ist: Diese wurde an den Verkehrsausschuss überwiesen und dort von allen anderen Fraktionen abgelehnt.

Man wartet also lieber noch weitere 40 Jahre auf die U-Bahn.