Ein Besuch auf dem Frohnauer Weihnachtsmarkt

Autor: K.F.

Ich war heute auf dem Weihnachtsmarkt, und was soll ich Euch sagen – kein einziger Betonpoller, keine Absperrungen, keine Polizei mit Maschinenpistolen, keine Nervosität.
Polen? Ungarn?
Nee.
Berlin.
Ortsteil Frohnau im Bezirk Reinickendorf.
Hier ist die Welt noch in Ordnung, hier wählt man noch CDU, ohne sich schuldig zu fühlen, denn man bekommt vom Terror des Alltags aller anderen Berliner gar nichts mit.
Der Frohnauer Weihnachtsmarkt ist ein Geheimtipp. Er findet nur an einem Adventswochenende statt, dauert nur 2 Tage, und dann ist der Spuk vorüber, das Flair längst vergangener Zeit, als man noch ganz selbstverständlich auf Weihnachtsmärkte ging, ohne an Lastwagen und den Islam, die Religion des Friedens zu denken, verflüchtigt sich wieder. Aber bevor dieser Geist der Vergangenheit wieder für ein Jahr im Dunkel des Vergessens versinkt, kann man alles, was dazu gehört, in vollen Zügen genießen. Der Weihnachtsmarkt in der Gartenstadt Frohnau ist ein Kunsthandwerksmarkt, es gibt alles, was man aus Ton, Leder, Stoff, Holz oder beliebigen anderen Materialien fertigen kann, handgefertigte Seife und Lavendelbonbons, die genauso schmecken, und dazu Glühwein, Kaiserschmarrn, gebrannte Mandeln und alles, was die Luft mit appetitlichen Düften schwängert.
Heute war das Wetter eigentlich eher zum Nachteil der Händler feucht, kalt und düster, aber das tat der Begeisterung der Frohnauer für ihren Markt keinen Abbruch. Es war unglaublich voll. Überall bildeten sich Grüppchen, wenn Bekannte und Nachbarn einander begegneten und zum Plauschen mit einem dampfenden Becher in der Hand stehen blieben, aber obwohl die teils recht enge Gasse dadurch nur schwer passierbar wurde und die Menschen sich vorbei drängeln mussten, hing kein Stress in der Luft, kein Ärger, keine Hektik. Die Gemütlichkeit steckte an und man fühlte sich all den Leuten, die so vertraut miteinander umgingen, leicht verbunden.
Kurzum: es war weihnachtlich.

Ich bestehe nach wie vor darauf, wenigstens einmal im Advent den Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz zu Füßen der Gedächtniskirche zu besuchen – im zweiten Jahr nach dem Anschlag mehr denn je! – aber diese besondere, wirklich besinnliche, festliche und heimelige Aura hat der eigentlich schon seit vielen Jahren nicht mehr.
In den Feiertagen geh ich mal hin.

Ich bin in Frohnau aufgewachsen, dort läuft die Zeit ein wenig langsamer, die Probleme sind andere. Hier fürchtet man weniger, nachts überfallen zu werden, sondern setzt sich eher vielleicht ins Ausland ab, weil man eine Firma an die Wand gefahren hat und mit dem Geld von Anlegern durchgebrannt ist oder so.
Die Kinder sind nicht auffällig durch Gewalttätigkeit und Diebstahl, sondern eher durch so etwas wie Wohlstandsverwahrlosung. Sie bekommen teure ~phones und ~pods, aber zu wenig Anleitung bei ihrer Charakterbildung, zuviel Geld, zu wenig Aufmerksamkeit. Der mittelständische und Oberschichtswohlstand hier lässt die Sprösslinge zu Champagnersozialisten und Revoluzzern in Markenklamotten heranwuchern, zu Widerständlern aus Überdruss.
Es geht den Frohnauern gut, hier ist die Welt derart in Ordnung, dass man aufbegehren muss, denn zufrieden zu sein macht Jugendliche zu Außenseitern.
Ich frage mich, ob sie ihren Weihnachtsmarkt überhaupt wahrnehmen, ob sie ihn so sehen können wie ich, ob sie sehen, dass er so ist “wie früher”, und ob sie wissen, was sie zu verlieren haben.

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